Der EHC Chur Capricorns kann mit dem Zuzug von Andrea Camichel, vom NLB-Vertreter HC Thurgau, einen Top-Transfer vermelden. Nach dem verpassten Saisonziel, dem sofortigen Wiederaufstieg in die 1. Liga, kann die geplante Vorwärtsstrategie mit dem Zuzug von Andrea Camichel sicherlich untermauert werden
von Johannes Kaufmann - Die Südostschweiz / 23.02.2010
«Gigant» EHC Chur hat seinen Qualifikationsparcours in der 2. Liga, Gruppe 2, mehr oder minder souverän als Klassenbester absolviert. Eine Garantie für ein Reüssieren in den heute beginnenden Aufstiegsplayoffs ist dies freilich nicht.
Das Saisonziel für den tief gefallenen EHC Chur, bis 2002 auf kurzer Stippvisite in der Nationalliga A und ansonsten während dreier Jahrzehnte Stammgast in der Nationalliga B, ist gegeben. Nach dem bitteren Fall in die 2. Liga, dort wo Eishockey vor allem als Hobby betrieben wird, ist die prompte Rückkehr in die 1. Liga Pflicht. Zumindest die Basis für dieses Projekt ist gelegt. In der 2. Liga, Gruppe 2, kontrollierte die Mannschaft von Trainer Ueli Hofmann das Geschehen von der Spitze aus. In 22 Spielen wurden 21 Siege eingefahren, bloss die finale Partie beim EHC St. Moritz ging verloren. «Wir waren so etwas wie das Bayern München der Liga», sagt Sportchef Sandro Capaul. Für jeden Gegner seien die Partien gegen Chur die Spiele der Saison gewesen. «Es ist uns gelungen, mit diesem Druck umzugehen.»
Neun Siege bis ans Ziel
Einen Hinweis darauf, ob die Hofmann- Equipe indes nun auch als Favorit in die Aufstiegs-Playoffs geht, gab der locker absolvierte Qualifikationsparcours nicht. Es fehlte an echten Herausfordern, die den Stadtklub wirklich testen konnten. «Es wäre mir in der Tat lieber gewesen, wenn wir mehr gefordert worden wären», urteilt Capaul. Denn ab sofort kommen im Aufstiegsrennen die Equipen der Gruppe 1 ins Spiel. In den gruppenübergreifenden Playoffs machen die vier besten Mannschaften pro Gruppe den einen Aufsteiger aus. Gespielt wird nach dem Modus Best-of-five. Konkret ausgedrückt: Den EHC Chur trennen drei Playoff-Serien und neun Siege von der Rückkehr in die höchste Schweizer Amateurklasse. Wie fit ist der EHC Chur für diesen Aufstiegsmarathon? «Wir haben uns nochmals gezielt auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet», sagt Capaul. Als Stärken nennt der frühereVerteidiger primär die Ausgeglichenheit im Kader. «Wir verfügen über drei Sturmlinien, die Tore schiessen können, bei anderen Mannschaften sind es meist bloss zwei Formationen.»Auf der Negativseite stehen Sorgen an der Personalfront. Carlo Mazza, die etatmässige Nummer 1 im Tor, muss verletzt passen. Er soll durch Marco Jossi vertreten werden.Verletzt war auch Sandro Häberlin, einer der Leistungsträger im Sturm. Mit seiner Rückkehr darf gerechnet werden. Auf der Negativseite ortet Capaul zudem dieTendenz, zu viele unnötige Strafen zu nehmen. «Das werden wir uns gegen Chiasso mit seinem starken Überzahlspiel nicht mehr erlauben dürfen», mutmasst Capaul, der in den Südtessinern, Sieger der Gruppe 1, den potenziell stärksten Widersacher im Aufstiegsrennen ortet. In Chiasso spielt Nicola Celio, eine Legende des HC Ambri-Piotta, die nun ihre Laufbahn etwas südlich von der Valascia ausklingen lässt. Vom finalen Duell der Gruppensieger ist der EHC Chur noch zwei Playoff- Serien entfernt. Der Parcours beginnt heute (20 Uhr) im heimischen Hallenstadion gegen den HC Luzern, den Viertplatzierten der Gruppe 1. Abseits des Eises muss Sportchef Capaul die neue Saison planen – Ligazughörigkeit hin oder her. Gestern wurde die Vertragsverlängerung mit Hofmann sowie Captain Roger Lüdi, dem besten Punktesammler im Team, bekannt gegeben. Nebst Lüdi soll das Gros der Schlüsselspieler gehalten werden.
Domenig bleibt dabei
Auf dem Transfermarkt peilt der Verein die Rückholaktion des einen oder anderen Absolventen der einst ruhmreichen, vereinseigenen Nachwuchsabteilung an. Capaul nennt die Namen Andreas John und Gerhard Schneller, beide aktuell noch bei den Pikes Oberthurgau in der 1. Liga engagiert. «Wir wollen so die Identifikation in der Stadt mit dem Verein wieder erhöhen», sagt Capaul. Er erwähnt ein konstruktives Gespräch mit Klub-Mentor Thomas Domenig, der bereits in derVergangenheit öfters die Vereinsrechnung matchentscheidend geschönt hatte. «Herr Domenig steht hinter diesem Kurs», verrät Capaul. Einer leichten Budgeterhöhung von 730 000 Franken auf 760 000 Franken für den Gesamtverein steht somit nichts mehr imWege. Bleibt die spannende Frage, für welche Spielklasse dies der Fall sein wird. Gelöst wird dieses Rätsel spätestens am 27. März.
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