Der EHC Chur Capricorns kann mit dem Zuzug von Andrea Camichel, vom NLB-Vertreter HC Thurgau, einen Top-Transfer vermelden. Nach dem verpassten Saisonziel, dem sofortigen Wiederaufstieg in die 1. Liga, kann die geplante Vorwärtsstrategie mit dem Zuzug von Andrea Camichel sicherlich untermauert werden
Am vergangenen Wochenende war es wieder so weit - der HC Chiasso lud Spieler des Jahrgangs 2001 und jünger zu seiner 24. Auflage des „Torneo Internazionale“ ein. Dieser Einladung zum zweitägigen Schlägerkreuzen folgten die Bambiniteams des HC Chiasso, HC Valpellice (I), EHC Lindau (D), HC Ascona und EHC Bülach in der Gruppe A und der GDT Bellinzona, HC Ambri-Piotta, HC Forward-Morges, HC Lugano und natürlich der EHC Chur Capricorns in der Gruppe B.
In bewährter Weise schufen die Organisatoren wieder einen ansprechenden Rahmen für den Wettstreit der jüngsten Eishockeycracks. Für das leibliche Wohl der vielen Zuschauer an beiden Tagen, wurde extra ein Grosszelt gleich neben der Halle aufgestellt. Dort nahmen auch die Teams ihre Mahlzeiten ein und so war man auch mit den anderen Teams stets in Kontakt. Das Turnierreglement sah vor, dass die Gruppenspiele in zwei Zeiten von jeweils 12 Minuten gespielt wurden, wobei jede Spielzeit als ein Spiel gewertet wurde. Das heisst für einen Sieg gab es 2 Punkte und für ein Unentschieden 1 Punkt. Im Halb- und Finalspiel wurde dann wieder im normalen Modus gespielt und nur das Resultat am Schluss zählte.
Nachdem wir uns am Samstag früh Morgens (6.00 Uhr!) in Chur mit dem Mannschaftsbus auf den Weg nach Chiasso machten, war das Ziel im Team bereits bekannt; „Wir wollen den Pokal für immer nach Chur holen“ tönte es auf den Plätzen hinten im Bus! Weil die Bambinis des EHC Chur Capricorns bereits in den letzten zwei Jahren das Turnier für sich entscheiden konnten, hatte man nun die Chance bei einem Sieg diesen zu behalten. „Der Druck ist enorm aber mit diesem Team ist alles möglich“ entgegnet mir Trainer Ivo Stoffel vorne im Bus. Nach gut zwei Stunden trafen wir in Chiasso ein und bezogen gleich unsere Kabine, die wir uns mit dem EV Lindau Islanders aus Deutschland teilten. Natürlich wurde es mit so vielen Spielern und Taschen sehr eng in der Kabine. Wie wir halt sind, konnten wir uns mit dem Trainer und den Müttern von Lindau sehr schnell befreunden und so wurde vereinbart, dass jeweils nur eine Mannschaft in der Kabine anwesend war. So konnten sich unsere Spieler gleich auf den ersten Match vorbereiten und man sah ihnen die Vorfreude an, denn für die meisten war es das erste Mal, dass sie an einem internationalen Turnier teilnahmen.
Die Gruppenspiele
Im ersten Spiel trafen wir auf den HC Forward-Morges und vielleicht auch weil Ivo mehrmals betont hatte, dass ein guter Start in ein Turnier sehr wichtig sei, gingen die Spieler konzentriert an diese Aufgabe heran. Nach den ersten 12 Minuten stand es bereits 3:0 für uns und weil das Team nicht nachliess, wurden auch die zweiten 12 Minuten mit 5:0 gewonnen. Somit verhalfen die Spieler ihrem Torhüter Lorenzo gleich im ersten Spiel zu einem „Shoutout“. HC Lugano hiess der Gegner im zweiten Spiel. Nach dem leichten Spiel gegen Forward-Morges wurde aber schnell ersichtlich, dass hier zwei Teams um den Sieg kämpften, die in etwa auf gleichem Niveau agierten. So stand es lange 0:0 bis nach einem unglücklich abgelenkten Schuss eines Churers die Luganesi die erste Spielzeit mit 1:0 für sich entscheiden konnten. Da unsere Jungs mit der harten Gangart der Tessiner zuerst noch Mühe hatten, setzten sie sich in der zweiten Spielhälfte aber immer besser durch und gewannen dieses mit 2:1. Somit kamen beide Teams auf zwei Punkte aus diesem Spiel und es kristallisierte sich heraus, dass beide Teams ernste Anwärter auf den Turniersieg sein könnten. Unser letzter Gegner am ersten Turniertag hiess dann GDT Bellinzona. Ein Blick auf die Tabelle zeigte auf, dass sie noch keinen Punkt auf dem Konto hatten und da Lugano gegen Bellinzona vierzehn Tore erzielte, war unseren Spielern bewusst, dass sie nur mit einem hohen Sieg auf Platz eins vorstossen können. Mit diesem Ziel vor Augen begannen sie die Partie gleich mit Tempoeishockey und teils schönen Kombinationen. Schlussendlich hiess das Resultat nach den zwei Spielhälften 17:1 für uns und somit stand fest; der EHC Chur Capricorns führte die Tabelle der Gruppe B nach dem ersten Tag mit einem Punkt vor Lugano und Ambri-Piotta an.
Nach einer Nacht im „Luftschutzbunker“ trafen wir am Sonntag um 9.00 Uhr als erstes auf den HC Ambri-Piotta. Die Tessiner, der letztjährige Finalgegner, hätten mit zwei Siegen gegen uns noch die Chance in den Halbfinal vorzustossen gehabt. Doch daraus wurde nichts, denn Ivo hatte das Team einmal mehr hervorragend vorbereitet. Um 7.00 Uhr war Tagwache und damit auch alle wach wurden, nahm er mit dem Team den 10-Minütigen Weg von der Unterkunft zur Eishalle gleich zu Fuss. Dabei wurde innerhalb der Mannschaft noch über das kurzfristig besuchte NLA-Baskettballspiel am Abend zuvor diskutiert und gleichzeitig wurde auch der Hunger angeregt. Nach dem Frühstück ging es dann direkt in die Kabine zur Matchvorbereitung denn man wusste was auf dem Spiel stand: Halbfinaleinzug oder Spiel um einen hinteren Turnierplatz.
Alle die jetzt in der Kabine waren, konnten den Siegeswillen der Mannschaft spüren, denn es war absolut ruhig und alle stellten sich mit voller Konzentration auf das Spiel ein. Besonders schön war zu beobachten wie sich die Spieler auch gegenseitig lobten. Schliesslich ist ja die soziale und charakterliche Weiterentwicklung der „Kufencracks“ ein nicht zu unterschätzender Wert dieser Mannschaftssportart und Lob dabei die wertvollste Zutat. Und genau so begannen wir das Spiel, es wurde um jede Scheibe gekämpft und dies zahlte sich aus. Nach Spielhälfte stand es 3:0 für die Churer und der Einzug in den Halbfinal stand mit diesem Sieg bereits fest. Die Frage war nur noch, ob als erster oder als Zweiter der Gruppe, da Lugano jedoch noch auf das Sieglose Forward-Morges traf, musste für den ersten Platz aus der zweiten Spielhälfte noch ein Punkt her. Doch nach einem unglücklichen Schiedsrichterentscheid (Dario, der heute im Tor stand, hatte den Puck blockiert, jedoch stocherte ein Ambri Spieler nach dem Pfiff des Schiedsrichters weiter, bis der Puck im Tor lag und zu allem erstaunen gab er den Treffer) Da uns kein Tor mehr gelang, verloren wir die zweite Hälfte mit 1:0 und beendeten die Gruppenspiele auf Platz zwei.
Das Halbfinal
Nach den Gruppenspielen konnten sich die jeweiligen Gruppen 1. und 2. übers Kreuz für das Endspiel qualifizieren. Als Zweiter der Gruppe B (1 Punkt hinter dem HC Lugano) spielten wir gegen die „Italiener“ vom HC Valpellice um den Finaleinzug. Obwohl die meisten Spieler des Gegners fast einen Kopf grösser waren, liessen sich unsere Spieler nicht beeindrucken. Vor dem Spiel erzählten diejenigen die bereits letztes Jahr dabei waren den anderen Spielern was vor dem Finalspiel alles abgehen würde und wie lässig es sei vor den vielen Zuschauern zu spielen. Das war Motivation genug und mit der lautstarken Unterstützung der mitgereisten Eltern sowie den Spielern anderer Teams die mittlerweile unsere Fans wurden, ging es los. Wir fanden gleich von Anfang an zu unserem Spiel und gingen schnell mit 1:0 in Führung. Kurze Zeit später konnten wir das Skore sogar auf 2:0 erhöhen. Noch vor der ersten Pause gelang Valpellice trotz grossem Einsatz unserer Defensive der Anschlusstreffer. Da im Halbfinal nur das Schlussresultat zählte, war klar, dass man nach dem Seitenwechsel nochmals zulegen musste. Nun ging es hin und her und wir erarbeiteten uns Chance um Chance. Zuerst erzielten wir das 3:1 doch nur kurz darauf gelang den Italiener wieder der Anschlusstreffer zum 2:3. Das Spiel war an Spannung kaum mehr zu überbieten. Die Italiener hielten jetzt dagegen und wollten um jeden Preis den Ausgleich, was aber unsere Spieler zeigten war ganz grosse Klasse. Wie schon während des ganzen Turnieres, kämpfte jeder für jeden und man legte sich sogar in die Schüsse des Gegners, denn man hatte nur noch ein Ziel vor Augen und das war der Final. Ein paar Minuten vor Schluss konnte der Torhüter der Italiener einen Schuss nur noch zur Seite abwehren und dann schnappte sich die Churerin den Puck, umkurvte das Tor und erzielte mittels „Buabatrickli“ das erlösende 4:2. Obwohl den Italienern wenige Sekunden vor Schluss noch das dritte Tor gelang jubelten die Spieler kurz danach über den Finaleinzug. Da sich im zweiten Halbfinal der HC Lugano ebenfalls durchsetzte, kam es im Final wieder zu einem Wiedersehen mit den Tessinern.
Das Finale
Was für ein Gefühl. Um 15.30 Uhr war es soweit; Spieler und Trainer waren für den Final bereit. Was jetzt folgte wird jedem Kind noch lange oder vielleicht auch für immer in Erinnerung bleiben. Vor einer grossen Zuschauerkulisse wurde jeder Spieler einzeln mit Namen und Nummer aufgerufen und gebeten das Eis zu betreten und sich ohne Helm und Stock in der Mitte der Eisfläche aufzustellen. Nachdem sich die beiden Finalisten in einer Reihe aufgestellt hatten ertönte die Schweizer Nationalhymne und manch einer fühlte sich mit recht bereits wie ein ganz grosser Spieler.
Ein Eishockeyfest erwartete die mitgereisten Churer Fans, die ihre Schützlinge auch im Final grossartig unterstützten. Die Spieler beider Teams konnten zu Beginn der Partie ihre Nervosität nicht verbergen und man spürte, dass keiner einen Fehler machen wollte um in Rückstand zu geraten. Nach anfänglichem Abtasten fanden die Churer dann immer besser ins Spiel und kamen zu ein paar guten Chancen die aber alle nicht verwertet werden konnten. Nach fünf Minuten war es dann soweit, nach einem schönen Angriff mit viel Zug über die Aussenbahn kam der Puck vor das Tor der Luganesi und ein Churer lenkte den Pass souverän zum 1:0 für Chur ab. Der Jubel bei der Churer Mannschaft war Grenzenlos. Das der Final über zwei Drittel der Eisfläche ausgetragen wurde, kam den Churer Spieler sicherlich entgegen. Denn bereits in den Gruppenspielen konnte man feststellen, dass sie ihren Gegnern Schlittschuhläuferisch überlegen waren und dies war auch jetzt so. Nun entwickelte sich ein schnelles Finalspiel bei dem die Spieler von Ivo immer mehr die Oberhand bekamen. Angepeitscht von der guten Stimmung in der Halle konnten die Churer Spieler das Tempo trotz Müdigkeit weiter hoch halten und so kam die Hintermannschaft des HC Lugano immer wieder unter Druck. Und es kam wie es wohl kommen musste. Kurz vor dem Seitenwechsel gelang dem EHC Chur Capricorns noch der Treffer zum 2:0. Jetzt wurde den Spielern bewusst, dass man kurz vor dem Ziel stand und so spornten sie sich ein letztes Mal an und jeder gab nochmals alles. Wie sensationell die Stimmung innerhalb der Mannschaft während des ganzen Wochenendes war, zeigte sich, als die Spieler nun auch Dario zu einem „Shoutout“ verhelfen wollten. Fünf Minuten vor Schluss, als auch noch der Treffer zum 3:0 fiel, nahm man dem Gegner schliesslich noch den letzten kleinen Funken Hoffnung auf den Turniersieg. Schlusspfiff – aus vorbei – es wurde geschafft. Spieler, Trainer und Betreuer lagen sich in den Armen und da und dort gab es sogar eine Freudenträne, so gross war die Freude über das erreichte.
Und wie schrieb ich am Anfang des Berichtes:
Bereits bei der Abfahrt hatten wir nur ein Ziel: „Wir wollen den Pokal für immer nach Chur holen“ tönte es auf den Plätzen hinten im Bus!
Die Mannschaft der Bambini in Chiasso:
Torhüter:
Lorenzo Bargähr (SA) und Dario Frey (SO)
Spieler:
Lea Accola, Lorenzo Bargähr, Pascal Bohé, Jannik Canova, Mauro Corsetto, Jan Ferrari, Dario Frey, Fabian Grothenn, Ramon Hartmann, Ronan Haueter, Fabian Jörg, Yves Stoffel
Gruppenspiele am Samstag:
HC Forward Morges – EHC Chur Capricorns 0:3 / 0:5
HC Lugano - EHC Chur Capricorns 1:0 / 1:2
GDT Bellinzona - EHC Chur Capricorns 0:9 / 1:8
Gruppenspiele am Sonntag:
EHC Chur Capricorns – HC Ambri Piotta 3:0 / 0:1
Halbfinal:
HC Valpellice – EHC Chur Capricorns 3:4
Final:
EHC Chur Capricorns – HC Lugano 3:0
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Einfach genial. Gratuliere allen Beteiligten. Hat mich sehr gefreut den Bericht zu lesen. Ich habe die Junioren Abteilung beim EHC Chur durchlaufen und es erinnerte mich an unsere Piccolo Zeit wo wir ein Turnier nach dem anderen mit und für den EHC Chur gewonnen haben. Macht weiter so.
Roland Hemmi
21.01.2010
Präsident EHC Chur Capricorns Eintrag melden
Ein GROSSES Kompliment an unsere Bambinis, Trainer und den Staff. Ihr seid auf dem richtigen Weg. Macht weiter so!
B R A V O!